Und welche Hobbys hat dein Kind so?

Frau Mutter hat einen Artikel veröffentlicht, den ich gern heute aufnehmen möchte, um mal meinen Gegenentwurf zu schreiben. Es geht grob um die Hobbys der Kind, zu denen die Sprößlinge natürlich gefahren werden. Alles, um die lieben Kleinen zu fördern. Nun kommt hier mein Gegenentwurf: Der Knopf macht mit seinen viereinhalb Jahren genau: nichts! Kein bisschen Freizeitprogramm, keine Hobbys, nicht mal ein bisschen Bewegung außer der Reihe, rein gar nichts.

Ich erkläre euch auch gern, warum. Wäre ja nicht so, als hätten wir das nicht schon alles gemacht. Zwischen dem zweiten und dem dritten Lebensjahr vom Knopf haben wir montags Kinderturnen und dienstags musikalische Früherziehung gemacht. Das war auch alles gut und schön. Das Kind hat mit Freunde geturnt, gesungen und musiziert. Und Mama? Ist nach einem anstrengenden Arbeitstag mit dem Kind am Nachmittag noch durch die Gegend gefahren, um das Programm zu absolvieren. Zwei Tage nacheinander nicht vor 18.30 Uhr daheim – das wurde mir auf Dauer echt too much. Ich habe gemerkt, dass mir das an die Substanz ging. Vor allem … ich wurde während dieser Stunde, wo das Kind Programm hatte, so dermaßen müde, dass ich mich auf die nach Turnhalle und Schweiß riechenden Matten hätte legen können, um da zu schlafen. Auf Dauer war das also gar nichts für mich, vor allem nicht für mich als berufstätige Mutter. Aber die Termine von 17 bis 18 Uhr waren die einzigen, die man eben mit Job noch bewältigen konnte. Dass mein Sohn zwischen Tour von Tagemutter oder Kita hin zur Förderstätte aber seelig in seinem Kindersitz ein Nickerchen machen konnte und ich zunehmend ein Problem damit bekam, das Kind weiterhin zu motivieren, am Programm teilzunehmen, fällt mal locker unter den Tisch.

Nein, ich gebe es zu: Wir machen am Nachmittag kein zusätzliches Förderprogramm! Wenn ich mein Kind gegen 16.30 Uhr (und das kurz vor Schluss) aus der Kita hole, dann haben er und ich weder Lust noch Zeit auch noch auf dieser Hochzeit zu tanzen! Für uns ist das defintiv Zeit für Ruhe und Entspannung. Für mich, weil ich das nach insgesamt neun Stunden Fahrzeit und Job definitiv die Schnauze voll habe, und für ihn, weil Kindergarten ehrlich gesagt auch Arbeit bedeutet.

Und was dann? Langweilt sich das Kind dann nicht? Nein, nicht im geringsten. Er darf mit viereinhalb schon auf dem Tablet schauen, wenn er möchte. Das sind zum Beispiel Apps wie die Sendung mit der Maus, die Elefanten-App und ganz neu: Sesamstraße. Das darf mein Kind sich anschauen. Danach spielt er gern bis zum Abendessen. Heute hatte er zum Beispiel den Zollstock von Papa entdeckt. Damit kann man zum Beispiel Dreiecke machen. Oder das ganze als große Schere nutzen. Oder man misst alles und jeden aus. Man kann sogar Bananenscheiben darauf in den Mund balancieren. Später hat er sich seinen selbstgebastelten Roboter aus einem alten Karton geschnappt, sich seinen großen Minion-Ballon an der Schnur um den Hals gelegt und ist damit durch die Wohnung getigert. Gut, die Schnur haben wir dann doch dem Roboter umgelegt – das hielten wir für sicherer.

Aber habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich mein Kind mit viereinhalb noch nicht nebenher fördere? Ganz ehrlich? Keine Spur von schlechtem Gewissen! Ich will das alles nicht, ich weigere mich, mein Kind nach einem Tag in der Kita (ich hörte, die werden da auch gefördert), noch weiter zu schicken. Es ist gut mit der Hetzerei, dem Stress, dem Druck irgendwas machen zu müssen. Unsere Disziplin besteht darin, dienstags den Einkaufswagen durch Aldi zu schieben. Das Kind hilft mir im Anschluss dabei, das Klopapier in den dritten Stock zu tragen. So what!

Wenn das Kind irgendwann in die Schule kommt und ich das Gefühl haben sollte, er ist nicht ausgelastet, weil das Ganztagsangebot zu mickrig ist, ok… dann überlege ich mir Plan B. Aber ich will nicht, dass mein Kind so wie einige seiner Kita-Freude montags zum Musizieren, dienstags zum Schwimmen und donnerstags zum Karate kutschiert werden muss. Nein, nein nein! Es gibt schöneres, ehrlich! Nämlich mein Kind am Nachmittag dabei zu beobachten, wie er Gedanken versungen auf dem Teppich sitzt, in der Nase bohrt und mich fragt: „Mama, haben Brummer Stachel?“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s